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Mount Everest als Fotomotiv

Aktualisiert: 3. Aug. 2022

Es war eines der aufwendigsten und gefährlichsten Fotos, die ich je geschossen habe. Hier ist seine Geschichte.

Die Planung für dieses Foto habe ich monatelang im Vorfeld zur eigentlichen Reise begonnen. Mit meinen Apps aus der Reihe "The Photographers Ephemeris" konnte ich genau sehen, wann sich die Milchstraße wo hinter den Bergen befinden würde. Dabei war der Bildaufbau auch bereits vorher klar: Der Khumbu Icefall sollte sich zum Hauptmotiv, dem Mount Everest, schlängeln, welcher dann zusammen mit dem Nuptse in den Sternenhimmel ragt.


Die erste Planung des Bildaufbaus mit The Photographers Ephemeris 3D

Ich wusste also, wann ich wo stehen sollte, aber erst einmal musste ich dorthin kommen. Mit 2 verrückten Reisebegleitern begannen wir kurz vor Weihnachten 2021 unsere zweiwöchige Reise und erreichten fast pünktlich am 02.01.2022 den Aussichtspunkt Kala Patthar. Kala Patthar ist dabei jedoch kein einfacher Aussichtspunkt, sondern ein ausgewachsener Berg, der über 5600 m hoch ist. Wer schon einmal in großer Höhe unterwegs war, weiß wie anstrengend jeder weitere Höhenmeter ist und wir mussten 450 davon unter uns bringen. Die Route beginnt in Gorak Shep und dauert ca. 2-3 Stunden im Aufstieg, je nach Fitnesslevel.



Dann war es endlich so weit. Wir erblickten zum ersten Mal auf unserer Reise den Mount Everest. Dabei hatten wir an diesem Tag unglaubliches Glück, denn die Tage davor waren oft bewölkt und viele Menschen, die wir auf ihrem Rückweg trafen, konnten den berüchtigten Berg von diesem Punkt nicht betrachten.

Ungefähr eine Stunde später begann dann die Sonne langsam unterzugehen und wir waren Zeuge des beeindruckendsten Sonnenuntergang, den ich je gesehen habe. Die 8000er brannten im feuerigen Orange.


Das Stativ wird vor dem starken Wind geschützt

Der Everest bestrahlt vom letzten Tageslicht








Dann war ich allein. Und zwar wirklich allein, denn die wenigen anderen haben bereits während des Sonnenuntergangs ihren Abstieg begonnen. Jetzt würde sich entscheiden, ob mein Plan aufgehen würde. Ich zog mir also insgesamt 5 Jacken, davon zwei dicke Daunenjacken, und eines Biwaksack über und versteckte mich in einer kleinen Felsspalte, um mich vor dem starken Wind und der klirrenden Kälte bei -25°C zu schützen.

In voller Montur

Nach ungefähr einer halben Stunde wurde es richtig dunkel und die ersten Sterne zeigten sich. Jedoch zog auch ein großes Wolkenfeld auf, was mir in meiner kleinen Höhle etwas Sorgen bereitete.

Aber dann erkannte ich etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Wegen ihrer Höhe leuchteten die beiden Berge Everest und Nuptse noch lange nach Sonnenuntergang in einem schwachen Orange, welches man aber noch klar mit bloßem Auge erkennen konnte.


Jetzt hieß es nur noch abwarten und aufs beste hoffen. Mit der Zeit erkannte man die Milchstraße immer besser und ich starrte einfach nur völlig überwältigt von dem Geschehen in den Nachthimmel.

Dann riss mich etwas aus meiner Trance. Das Wolkenfeld ist dem Everest näher gekommen und ragte schon fast in mein Bild hinein. Also zog ich in Windeseile meine zwei Paare Handschuhe aus und drückte den Auslöser meiner Kamera.


13 sec, f2.8, ISO2500

Den Vordergrund habe ich bereits eine halbe Stunde vorher mit einer 30 sekündigen Belichtungszeit aufgenommen, sodass ich die Details in den Bergen und im Khumbu Icefall erhalten konnte (Mein Fernauslöser ging zusammen mit meinem gesamten Gepäck während des Hinflugs verloren). Mein eigentlicher Plan, die Milchstraße mehr mittig zu platzieren ging also nicht ganz auf aber das Ergebnis ist trotzdem ansehnlich geworden.

Dann begann der 90 minütige Abstieg durch absolute Dunkelheit. Ausgelaugt und ausgekühlt wie ich war freute ich mir noch auf etwas warmes zu essen in der Lodge und meinen Schlafsack.

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